Im Rahmen des FNR geförderten Projekts "Jugenddialog Wald" organisiert der SDW Bundesverband in Kooperation mit dem Landesverband Sachsen und der Universität Leipzig die Ringvorlesungsreihe "Wir und der Wald". Jeden Mittwoch (außer 10.06.2026) um 19:00 Uhr wird es unterschiedliche Vorträge aus Perspektiven der Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft geben. Die Vorlesungen finden im Rahmen des Studium universale statt und sind daher für alle Interessierten geöffnet.
Wald in Mitteleuropa existiert nicht losgelöst von gesellschaftlichen Entwicklungen. Bevölkerungswachstum, der Stand der Produktivkräfte, Kriege, Holzmangel, Bergbau, Krisen und Wohlstand sind einige Beispiele hierfür.
Noch bis zum Jahr Eintausend war der Wald vom Erzgebirge bis vor die Tore Leipzigs geschlossen. Mit der Besiedelung durch fränkische Bauern im 12. Jahrhundert nahmen die Rodungen zu. Die Waldfläche reduzierte sich um 30 – 40 %. Ende des 12. Jahrhunderts begann die Blüte des Bergbaus im Erzgebirge und mit ihm ein großer Holzhunger. Waldweide, Köhlerei, Glashütten, Streunutzung, Pechsiederei setzen dem Wald ebenso zu wie die zügellose Jagdleidenschaft der Grundherren. In Folge der ungeregelten Holzrodungen kam es zu Erosionen, Feinbodenverlusten und Versteppung ehemaliger Wälder.
Die Holznot führte zu ersten „Holzordnungen“ der Kurfürsten im 16. und 17. Jahrhundert. Hannß Carl von Carlowitz prägte den Begriff der Nachhaltigkeit. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts befanden sich die Wälder in Sachsen in einer kritischen Situation. In Tharandt erfolgte die Gründung einer forstlichen Fakultät und mit ihr die geregelte Forstwirtschaft. Reinbestände aus Nadelhölzern sollten die Holznot beenden. Streng ökonomisch orientierte Kahlschlags Wirtschaft bestimmt fortan die Waldbilder und wurde zum Standardverfahren.
In Der DDR erfolgte die Waldbewirtschaftung ab etwa 1960 nach industriemäßigen Produktionsmethoden mit zunehmender Technisierung und erhöhtem Chemieeinsatz. Die Reinbestandes Wirtschaft mit Nadelhölzern erwies sich als Fluch und Segen. Zwar konnte die Holznot behoben werden, aber zunehmend kam es zu Katastrophen im Wald mit gravierenden wirtschaftlichen und ökologischen Folgen. Ein andere Waldverständnis war erforderlich. Es gab dazu viele Anläufe seit Beginn des 20. Jahrhunderts, aber erst Ende des Jahrhunderts setze sich die Gleichrangigkeit der verschiedenen Waldfunktionen durch. Nutz-, Schutz -und Erholungsleistungen sind seit dieser Zeit fester Bestandteil der Waldgesetze.
Im 21. Jahrhundert steht der Waldumbau zu stabilen und strukturreichen Mischwäldern (Dauerwald) im Vordergrund. Auch der Naturschutz im Wald gewinnt an Bedeutung, zunehmend werden Wälder aus der Bewirtschaftung genommen. Neue Herausforderungen gibt es durch den fortschreitenden Klimawandel, dessen Tempo und Umfang zu ständig neuen Anpassungen der Waldbewirtschaftung führen wird.
Stephan Schusser, Jahrgang 1956: Forstamtsleiter im Forstamt Schönheide von 1991 - 2005, Forstbezirksleiter in Eibenstock von 2006 bis 2022, Dozent an der Fachhochschule Erfurt seit 2015, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft von 2000 bis 2025
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