Ringvorlesung "Fossile Wälder - Raubbau in Vergangenheit und an der Zukunft" (Bertram Weisshaar)

Mi., 17.06.2026  |  19:00  -  20:30
Leipzig,  Universität Leipzig, Hörsaalgebäude, HS2

Im Rahmen des FNR geförderten Projekts "Jugenddialog Wald" organisiert der SDW Bundesverband in Kooperation mit dem Landesverband Sachsen und der Universität Leipzig die Ringvorlesungsreihe "Wir und der Wald". Jeden Mittwoch (außer 10.06.2026) um 19:00 Uhr wird es unterschiedliche Vorträge aus Perspektiven der Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft geben. Die Vorlesungen finden im Rahmen des Studium universale statt und sind daher für alle Interessierten geöffnet.

Inhalt

Fossile Wälder - Raubbau in der Vergangenheit und an der Zukunft (Bertram Weisshaar)

Vor Millionen Jahren versanken die tertiären Wälder und verkohlten. Im 18. Jahrhundert drängte dann die «Holznoth« – verursacht durch Raubbau an den lebenden Wäldern – zur Verwendung der zunächst wenig geschätzten »Erdkohlen«. So ersetzten diese beispielsweise ab 1788 in den sächsischen »Salzwercken« das bislang genutzte Brennholz, wodurch sich »das Holzconsumo immer mehr verminderte« (Novalis).

Bereits seit etwa eineinhalb Jahrhunderten werden nun diese fossilen Wälder in immer größeren und tieferen Braunkohletagebauen abgegraben. Über Generationen folgte Raubbau auf Raubbau. Und heute? Neune letzte Braunkohletagebaue sind derzeit in Deutschland noch aktiv. 2038 soll der letzte stillgelegt werden: Woher kommt dann die »Kohle« zur Sicherung der bis zu vierhundert Meter tiefen Löcher? Frühestens die Enkelkinder der heutigen »letzten Generation« werden die nötigen Arbeiten abschließen können – im Rheinischen Revier dürfte es gar bis zum Jahr 2200 andauern, bis die Folgen unseres Wohlstands repariert sind. Es bleiben weitere große Fragen: Verbindet sich mit dem Kohleausstieg zugleich auch ein veränderter Umgang mit Natur und Ressourcen? Und folgen auf die letzten Tagebaue vielleicht auch andere Landschaften? Es bleibt ein Zeitfenster von vielleicht zehn Jahren, in welchem die Gestaltung der letzten Braunkohlefolgelandschaften noch beeinflusst werden kann – entstehen könnten die außergewöhnlichsten Landschaften, die je vorstellbar sind.

Bertram Weisshaar arbeitet seit den Neunzigerjahren freiberuflich als Spaziergangsforscher. Ausgebildet als Fotograf und Landschaftsplaner, nahm er schon viele Menschen mit auf von ihm hierzu gestaltete Spaziergänge oder auch mehrtägige Wanderungen. Stets suchen dabei seine "Gedankengänge" den ungewöhnlichen Blick und überraschende Perspektiven. Bertram Weisshaar gründete 2001 das Atelier Latent in Leipzig. Die Projekte und Arbeiten sind inspiriert von der Spaziergangsforschung und der Fotografie. Den Schwerpunkt bildet das GEHEN als eine dem Menschen ganz unmittelbare Form der Welterfahrung. Meist mündet diese „Philosophie“ in gestaltete, geführte Spaziergänge oder auch in individuell nutzbare Audio-Spaziergänge.

Anmeldung und Infos

Weitere Infos und die Möglichkeit zur kostenlosen Anmeldung (nicht verpflichtend) finden Sie auf der Seite unseres Partners, der Universität Leipzig, unter folgendem Link.

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